4 Stufen Methode

Bild zur 4 Stufen Methode

Wie funktioniert die 4 Stufen Methode? Das ist eine Frage, die sich mindestens die angehenden Ausbilder immer wieder stellen. Auch in der Praxis ist die 4 Stufen Methode eine notwendige Unterweisungsmethode für die Ausbilder, Anleiter und Ausbildungsbeauftragten.

Ich möchte Ihnen in diesem Beitrag gerne einen Ablaufplan für die 4 Stufen Methode an die Hand geben, der bei sehr vielen Prüfungen gezeigt wird.

Die meisten (jedenfalls mir bekannten Literaturen) geben lediglich eine grobe Übersicht der 4 Stufen Methode wieder und zeigen nicht konkret genug wie diese im einzelnen abläuft.

Wann ist die Umsetzung der 4 Stufen Methode sinnvoll?

Für die Wahl der 4 Stufen Methode gibt es einige Kriterien die erfüllt sein sollten, damit diese Unterweisungsmethode begründet ist. In der Praxis ist die Anwendung natürlich leichter zu begründen als in einer Abschlussprüfung. Gerne führe ich Ihnen an dieser Stelle einige Begründungen auf.

  • Sie trainieren den psychomotorischen Lernbereich (handwerkliches Training)
  • Der Auszubildende hat kaum Vorwissen
  • Die Umsetzung birgt Verletzungsgefahren
  • Wenn das zu vermittelnde Thema geeignet ist

Welche Themen können sinnvollerweise mit der 4 Stufen Methode vermittelt werden?

Vielen Ausbildern fehlt an dieser Stelle das Verständnis für den Einsatz der 4 Stufen Methode. Aus diesem Grund lassen wir in unseren Seminaren die Unterweisungsmethoden von den Teilnehmern auch immer ausarbeiten. Am Ende haben Sie viele einzelne Puzzle-Stücke die dann von Ihnen zusammengesetzt werden. Gerne listen wir Ihnen in diesem Beitrag einige Themen auf, die für eine 4-Stufen Methode gut geeignet sind.

Geeignete Themen der 4 Stufen Methode im gewerblich technischen Bereich:

  • Ablängen von Rohren
  • Bördeln eines Kupferrohres
  • Sägeblatt der Handbügelsäge wechseln
  • Anreißen einer Platte
  • Biegen eines Blechs
  • Gewindeschneiden mit einem Vollschneider M8 (in vorgebohrter Platte)
  • Körnen
  • Wechseln einer Trennscheibe
  • Kabel absetzen
  • DIN A2 Plan zu DIN A4 falten
  • Defekte Schalter austauschen

Geeignete Themen der 4 Stufen Methode im kaufmännischen Bereich

  • Austauschen einer Druckerpatrone
  • Erstversorgung bei Verletzungen
  • Hände desinfizieren
  • Etikettenrolle beim Etikettendrucker einsetzen
  • Safebag fertigstellen

Geeignete Themen der 4 Stufen Methode im Gastgewerbe

  • Filetieren einer Orange
  • Anrichten von Dessertjoghurt
  • Brötchenplatte anrichten
  • Posten aufbauen
  • Besteck polieren
  • Öffnen einer Weinflasche
  • Servietten brechen
  • Hände desinfizieren
  • Gurke schneiden
  • Messerklinge schärfen

Geeignete Themen der 4 Stufen Methode in der IT

  • Arbeitsspeicher austauschen
  • Wechseln einer Grafikkarte
  • Festplatte wechseln
  • CPU Lüfter auf dem Motherboard wechseln
  • Einbau einer externen Festplatte in ein Gehäuse
  • Einplatinen-Computersystem montieren

Geeignete Themen der 4 Stufen Methode in der Logistik

  • Paket umreifen
  • Wareneingang prüfen (mit fühlender Kontrolle auf Beschädigung der Ware)
  • Paket verpacken
  • Arbeitsmittel pflegen

Geeignete Themen der 4 Stufen Methode in der Mediengestaltung

  • Schneiden eines Flyers
  • Mikroskopieren von Stoffen
  • Kamera auf ein Stativ setzen
  • Akku bei Kamera tauschen
  • Objektiv auf Kamera setzen
  • Fotografie
  • Pflege und Wartung der Werkzeuge
  • Analoge Bilddaten erfassen und Bildausschnitte festlegen

Geeignete Themen der 4 Stufen Methode in der Chemie

  • Spindeln
  • Mischen von Stoffen
  • Arbeitsmittel warten und pflegen
  • Umgang mit Lösungsmitteln
  • Proben entnehmen
  • Volumen / Masse / Dichte bestimmen
  • Rohrverbindungen abdichten
  • Wartungsarbeiten der Arbeitsgeräte

Wann ist die 4 Stufen Methode nicht geeignet?

Die 4 Stufen Methode sollte für eine Prüfung nicht eingesetzt werden, wenn Sie hauptsächlich kognitive Lernbereiche trainieren werden. Wenn der Auszubildende bereits gute Vorkenntnisse besitzt, passen ebenfalls andere Unterweisungsmethoden besser.

Wie ist der Ablauf der 4 Stufen Methode?

Die 4 Stufen Methode hat eine klare Struktur, wie jede andere Unterweisungsmethode auch.

  1. Vorbereiten
  2. Vormachen und erklären
  3. Vom Azubi nachmachen lassen
  4. Üben

Sie möchten sich nur noch zur Ausbildereignungsprüfung vorbereiten lassen?

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Na dann wollen wir doch mal konkret auf die einzelnen Schritte eingehen. Leider gehen auch einige Fachbücher falsch auf die Inhalte ein.

Einleitendes Wort zur Vorbereitung also 1. Stufe:
Hier wird nicht der Arbeitsplatz vorbereitet, sondern der Auszubildende. Der Azubi wird vorbereitet, auf das was gleich in der Unterweisung passieren wird. Stellen Sie sich vor, Sie würden die Unterweisung beginnen und nun den Arbeitsplatz erst vorbereiten. Sie suchen als Ausbilder alle Werkzeuge und Hilfsmittel zusammen. Das wäre völlig deplatziert. Das ist der falsche Ansatz. Richtig ist es, dass der Auszubildende darauf eingestimmt wird, was wir ihm gleich vermitteln möchten. Aber was ist das?

Jetzt wird es ernst, denn hier haben Sie einen Leitfaden, mit dem Sie den Ablauf der 4 Stufen Methode eintrainieren können. Dieser Ablauf hat schon unzähligen Prüflingen eine hilfreiche Stütze geboten.

Vorab sei noch gesagt, dass Sie immer Ihre Führung, Aussprache, Aktivierung des Auszubildenden und die Motivation für Ihren Azubi im Blick haben sollten. Der Auszubildende ist Ihr Star.

1. Stufe = Vorbereitung des Auszubildenden.
In vielen Kammern stellen Sie sich zu Beginn der Prüfung selber vor. Sie stellen dar, welche Funktion Sie im Unternehmen ausüben und wer Sie sind. Dann stellen Sie den Auszubildenden vor (Adressatenanalyse), hierzu gehören auch Besonderheiten des Auszubildenden. Beschreiben Sie auch den gewählten Lernort. Wichtig ist es, dass alle Betriebsmittell vorhanden.

Begrüßen Sie nun den Auszubildenden und nehmen ihn mit einem Small Talk die Befangenheit. Wie Sie das machen können? Sie können zum Beispiel fragen, wie es ihm in der Abteilung gefällt in der er aktuell ist. Zeigen Sie in jedem Fall Interesse an Ihren Auszubildenden.

Sagen Sie ihm auch, welche Unterweisung er heute bekommt. Nennen Sie ihm also das Thema und auch den Grund für das Thema. Sie können das Thema aus betrieblicher, gesetzlicher oder schulischer Sicht begründen. Der Nutzen muss Ihrem Auszubildenden klar werden.

Stellen Sie nun dem Auszubildenden 2 – 3 offene Fragen zu seinem Vorwissen bezüglich des Themas. So richten Sie sich nach den didaktischen Grundsätzen. Vom Bekannten zum Unbekannten.

Es ist immer wichtig, den Auszubildenden auch zu motivieren. Das gilt auch zu Beginn einer Unterweisung. Geben Sie dem Auszubildenden einen lohnenden Anreiz, jetzt richtig Gas zu geben.

Sagen Sie nun dem Auszubildenden das Feinlernziel, welches Sie mit der SMART-Formel erstellt haben. Vergessen Sie dabei nicht die einzelnen Punkte vom Kontrollmaßstab vorzulesen.

2. Stufe = Vormachen und erklären
Zu Beginn der 2. Stufe zeigen Sie dem Auzsubildenden alle vorhandenen Werkzeuge und Arbeitsmittel. Zeigen Sie alles, was Sie vorbereitet auf der Arbeitsfläche liegen haben. Sie brauchen diese nicht zu erklären, wenn der Azubi diese schon kennt. Sie gelangen hier vom Leichten zum Schweren und sind wieder in den didaktischen Grundsätzen drin.

Sie sollten über mögliche Gefährdungen oder Verletzungsmöglichkeiten sprechen. Sagen Sie dem Auszubildenden auch, wie es weitergeht, wenn er sich verletzt haben sollte. Sagen Sie ihm, dass Sie Ersthelfer sind und das ganze dann im Fall der Fälle verarzten und in das Verbandbuch eintragen. Weisen Sie falls notwendig auf Hygiene oder auch den Umweltschutz hin. Beachten Sie, dass es zu Ihrer Unterweisung passen muss.

Jetzt machen Sie dem Auszubildenden alle Schritte vor und erklären ihm, was Sie da genau machen. Damit der Auszubildende auch leichter versteht was Sie da machen, erklären Sie Fachbegriffe kurz und geben ihm auch Begründungen ab, wieso es genau so und nicht anders gemacht wird. Lassen Sie Ihren Auszubildenden Stichworte von Ihren Ausführungen mitschreiben.

Wenn Sie alle Schritte vorgemacht haben, dann ist es ganz wichtig, den Auszubildenden mit seinen Worten die Inhalte noch einmal zusammenfassen zu lassen. So können Sie als Ausbilder*in genau hören, ob noch Wissenslücken existieren. Fragen Sie den Azubi bitte nicht, ob er noch Fragen hat. Das ist eine geschlossene Frage, die der Auszubildende wohl kaum ehrlich beantworten oder überblicken wird. Während Ihr Auszubildender Ihnen eine Zusammenfassung gibt, können Sie als Ausbilder Fragen stellen. Wieso ist das so? Warum war es wichtig, dass so zu machen? Wie könnten wir noch vorgehen? … etc.

3. Stufe = Nachmachen und erklären lassen
Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo der Auszubildende den aktiven Part übernimmt. Vergessen Sie nicht Ihren Auszubildenden auch immer mal wieder zu motivieren, denn in der Prüfung ist das ein wichtiger Punkt. Er wird die zuvor gezeigten Umsetzungen nachmachen und erklären. Sie haben während der Darstellung Ihres Auszubildenden verschiedene Aufgaben zu erfüllen. Dazu gehört, dass Sie Ihren Auszubildenden richtige Umsetzungen bestätigen und besonders gute Ansätze loben. Sie stellen Vertiefungsfragen, ob er auch wirklich verstanden hat, was er da macht. Wenn Ihr Azubi Fehler macht, dann korrigieren Sie ihn.

Wenn Ihr Auszubildender dann mit dem Nachmachen fertig geworden ist, dann müssen Sie als Ausbilder*in die Umsetzungen anhand Ihres Kontrollmaßstabes überprüfen. Gehen Sie die einzelnen Schritte auf der Liste durch und haken Sie diese ab. Wenn Sie dem Auszubildenden erzählen, was Sie da abhaken ist das auch gleichzeitig ein zeitnahes und konstruktives Feedback.

4. Stufe = Üben lassen
Da der Auszubildende jetzt in der Übungsphase ganz auf sich allein gestellt ist, möchte er sich bestimmt noch einmal daran erinnern welches Ziel er eigentlich erreichen soll. Meistens erinnern sich nicht einmal die Ausbilder daran, deshalb nennen Sie ihm bitte zum Start der 4. Stufe noch einmal das Feinlernziel und lesen ihm den Kontrollmaßstab vor. Teilen Sie ihm diesen direkt mit den Worten aus, dass er die Tätigkeit jetzt ganz alleine durchführt und sich anschließend mit dem Kontrollmaßstab überprüfen soll.

Der Auszubildende legt jetz mit der Tätigkeit los und prüft immer wieder an Hand des Kontrollmaßstabs, ob er auch an alles denkt. Sie als Ausbilder*in dürfen sich nun nicht mehr einmischen, denn jede Kommunikation oder Hilfe bdeutet, dass der Auszubildende es nicht SELBSTSTÄNDIG macht. Der Auszubildende soll ja die berufliche Handlungsfähigkeit erwerben und das macht er bezogen zu diesem Thema. Zwar ist die 4 Stufen Methode eine Unterweisungsmethode, die die Selbstständigkeit nur gering fördert, aber sie muss gefördert werden.

Wenn der Auszubildende nun mit seiner Ausführung fertig ist, dann prüfen Sie alles noch einmal nach. Sie müssen quasi seine Kontrollpunkte kontrollieren. Nutzen Sie dazu den Kontrollmaßstab. Nur dann können Sie behaupten, dass das Feinlernziel auch korrekt umgesetzt ist. Vergessen Sie nicht, den Auszubildenden für seine tolle Umsetzung zu loben.

Zum Abschluss der Unterweisung sollten Sie den Azubi noch darauf hinweisen, dass er diese Unterweisung in seinen Ausbildungsnachweis hineinschreibt. Geben Sie auch einen Ausblick auf die nächste Unterweisung und kündigen Sie weitere Übungen in der neuen Abteilung an.

Hier ist Ihre 10 – 15 minütige Unterweisung gelaufen. Sie können das ganze auch bei der Akademie KoBiCo trainieren. Dazu bieten wir regelmäßige Vorbereitungen auf die praktische Prüfung an. Sprechen Sie uns dazu einfach an.

Was ist der Unterschied von einer 4 Stufen Methode zur modifizierten 4 Stufen Methode?

In einigen Industrie- und Handelskammern können Sie auch eine modifizierte Vier Stufen Methode für eine Unterweisung nutzen. Erkundigen Sie sich unbedingt vorher bei Ihrer IHK dazu. Der Unterschied besteht in Stufe 2 und Stufe 3. Denn in der modifizierten Form machen Sie nicht den gesamten Prozess vor. Stattdessen machen Sie einen Teilschritt vor und der Auszubildende macht diesen gezeigten Schritt nach. Dann machen Sie wieder einen weiteren Teilschritt vor und erklären diesen. Das wiederholen Sie solange bis der gesamte Prozess gezeigt wurde. Also Sie kombinieren Stufe 2 und 3 miteinander.

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